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Du möchtest also ein Psychedelischer Forscher werden? R. Andres Sewell (MD) gibt ein paar Antworten darauf.

Aufgrund der derzeitigen Renaissance der psychedelischen Forschung (nach einem 40 jährigem Moratorium) stellen sich Studierende zunehmend die Frage: Wie kann ich mich einbringen? Unglücklicherweise sind Psychedelika immer noch stark stigmatisiert und es gibt noch keine offensichtliche Infrastruktur in welche man sich als Enthusiast einbringen könnte. Es gibt in diesem Bereich keine Master-Studiengänge, kaum Hochschulgruppen und keinerlei Stipendien. Sehr wenige Professor*Innen sind bereit psychedelische Studien zu betreuen und kaum Leistungsträger sind bereit psychedelische Forschung zu finanzieren. Dies frustriert und verunsichert Studierende, welche sich für die Thematik interessieren und einsetzen wollen. Hier folgen ein paar Ratschläge und Leitlinien für Interessierte.

[Dies ist eine Übersetzung. Das Original findet ihr hier: http://www.maps.org/resources/students/181-so-you-want-to-be-a-psychedelic-researcher]

Zuerst solltest du dir darüber im Klaren sein, was deine Motive dafür sind in die psychedelische Forschung einzusteigen. Möchtest du das, weil Psychedelika für dich neu und cool sind? Wenn das so ist, dann ist es sehr wahrscheinlich dass du enttäuscht wirst. Dr. Timothy Leary – wahrscheinlich der bekannteste psychedelische Forscher – sah darin vor allem einen Weg berühmt zu werden und sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Er tat dies vornehmlich durch Selbstdarstellung und weniger durch wissenschaftliches Arbeiten. Wenn dich ein solcher Lebensstil anspricht, dann gibt es kürzere Wege wie du dieses Ziel erreichen kannst als durch jahrelanges Studieren.

Oder ist dein Motiv, dass du durch Psychedelika eine mystische oder lebensverändernde Erfahrung hattest? Du musst kein psychedelischer Forscher werden um deine Selbsterkenntnis weiter auszubauen. Du brauchst nicht einmal weiterhin Psychedelika einzunehmen, denn es gibt einige weitere Methoden zur Bewusstseinsveränderung, wie z.B. Yoga, Meditation oder Holotropes Atmen. Solche Wege können einen tiefgreifenden Einfluss auf die Selbsterkenntnis haben. Allerdings wird dies wahrscheinlich nicht die Gesellschaft verändern.

Vielleicht bist du darüber frustriert, dass du in einer Gesellschaft lebst, die auf den persönlichen Rechten herumtrampelt, Introspektion und Erkenntnis ablehnt, Lügen und Halbwahrheiten als Ersatz für ernstzunehmende Forschung benutzt und zur Selbstzensur ermuntert. Und du möchtest dies nun ändern? Dann lass dir gesagt sein: Du musst du kein Wissenschaftler werden um ein Aktivist zu werden. Letztendlich ist die Forschung aber ein sehr wichtiges Werkzeug das Aktivisten nutzen können. Denn es sind die Aktivisten die schließlich die Gesellschaft dazu bringen sich zu verändern.

Oder bist du tiefgreifend neugierig, was diese Substanzen betrifft und möchtest moderne Forschungsmethoden darauf anwenden, um ihre besonderen Eigenschaften festzustellen? Möglicherweise schätzt du, dass Wissenschaftler wie Ralph Abraham, Stephen Jay Gould, Carl Sagan, Andrew Weil und Nobelpreisträger wie Francis Crick, Richard Feynman und Kary Mullis, welche psychedelische Substanzen als wertvolle Hilfsmittel nutzten um ihre großen Entdeckungen auszuformulieren – und fragst dich warum das so ist? Vielleicht weißt du auch, dass die Entdeckung des LSD den Zündfunken für die Erforschung des Serotonin-Systems lieferte und dass dies die explosive Expansion der Psychopharmakologie antrieb, die heute noch vonstatten geht? Möglicherweise fragst du dich, welche anderen Geheimnisse noch in der verschlossenen Box der psychedelischen Forschung liegen?

Bist du bereit zu akzeptieren dass unkonventionelle Interessen und Ideen möglicherweise in die Isolation oder in die Ächtung innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft führen können? Und bist du dir auch im Klaren darüber, dass dich das zeitraubende Abarbeiten durch bürokratische Hürden (welche typisch für diese Art von Forschung sind), unausweichlich dazu führen wird, dass du langsamer publizieren wirst als deine Kollegen? Und bist du dir im Klaren darüber, dass das Fehlen jeglicher staatlicher und privater Förderung bedeuten kann, dass du niemals reich wirst? Wenn dich solche Gedanken nicht abschrecken, dann lies weiter.

Wenn du noch im Bachelor1 bist, dann mach zuerst deinen Abschluss. Halte den Ball flach und infiltriere das System

Die ersten Studienjahre sind eine schwere Zeit für aufstrebende psychedelische Forscher*Innen, weil dem Thema immer noch ein Stigma anhängt. Viele Studierende bemerken oft, dass das Verbreiten ihrer unkonventionellen Sichtweisen zumindest in dieser Phase des Studiums ihrer späteren Karriere Schaden zufügen kann – und dadurch auch indirekt der psychedelischen Forschung Schaden zufügen kann. Manchmal müssen wir mit den Erwartungen der Gesellschaft konform gehen, um eine glaubwürdige Basis zu schaffen und zu warten bis wir ein bisschen unabhängiger in unseren Vorhaben sind.

Das Buch „Warum Pilze gut sind“ von Joe Schmoe wird sehr wahrscheinlich ignoriert; „Therapeutischer Nutzen von Psilocybin“ von Dr. Joe Schmoe wird deutlich unwahrscheinlicher ignoriert, selbst wenn in beiden Büchern exakt das selbe steht. Im Übrigen war das der Weg den ich gegangen bin. Ich habe nicht eher ein Wort über meine eigentlichen Forschungsinteressen verloren als ich bereits Fachbereichsmitglied an der Harvard Medical School war. Aber sei gewarnt: Zu lange konform gehen nagt irgendwann an deiner Seele. Und in der Retrospektive kann ich sagen, dass du in deinen ersten Studienjahren sehr viel freier bist als du vielleicht glaubst.

Lerne mehr über Psychedelika

Lies was es bereits an wissenschaftlichen Publikationen gibt – und zwar nicht nur die Aufsätze die bereits bekannt sind. Wenn möglich dann besuche Kurse, die Psychedelika behandeln. Dr. Stacy B. Schaefer gibt an der California State University Kurse über indigene Gruppen in Lateinamerika, wobei es u.a. um die Peyote-nutzenden Huichol Indianer2 geht. Dr. Constantino Manuel Torres gibt an der Florida International University einen Kurs über Kunst und Schamanismus, der sich mit der Erkundung von traditionellen Gesellschaften beschäftigt die psychedelische Substanzen nutzen. An der Northern Illinois University werden von Dr. Thomas Roberts regelmäßig Kurse angeboten. Du kannst ihn auch an deine Universität einladen. Er schreibt:

Wenn dein Fachbereich (oder ein anderer) gerne eine Veranstaltung zu den Grundlagen der Psychedelischen Forschung oder Entheogenen anbieten möchte (für Bachelor oder Masterstudierende)3) dann wäre es für mich möglich immer mal wieder für ein verlängertes Wochenende, oder auch 1-2 Tage alle 2 Wochen, anzureisen. Alles weitere können wir über das Internet erledigen.

Alternativ könnt ihr auch eure eigenen unabhängigen Veranstaltungen entwerfen 4. Das ist das Vorgehen für das sich MAPS Präsident Rick Doblin entschieden hat, als er Student am College of Florida war. Nutze Dr. Roberts Ideen gerne als Basis. Paul Goodwin startet gerade einen Webseite, die darauf abzielt Studierenden Links und Kurzbeschreibungen zu relevanten (Universitäts-)Veranstaltungen zu liefern. Diese sollte ab Herbst 2006 online sein (www.psycomp.org.uk) 5. Bleib auf dem aktuellen Stand der Veröffentlichungen in deinem Interessenbereich und mach dir Gedanken über deine eigenen Forschungsvorhaben.

Ein Masterstudent schreibt:

Als Bachelorstudent habe ich eine Studienleistung mit Auszeichnung bestanden, welche im Prinzip ein Literaturreview war. Diese Arbeit wurde wenige Jahre später schließlich meine erste Publikation. Sie führte ebenso zu meiner Masterarbeit (eine quasi-experimentelle Studie) und zu ein paar weiteren Aufsätzen in Zeitschriften. Das beste was Bachelorstudierende machen können, um der psychedelischen Forschung zu helfen ist sich gut vorzubereiten, denke ich. Sei standhaft in deinem Wunsch ein Forscher in diesem Bereich zu werden, wenn es das ist was du wirklich willst. Ich kann vielleicht gerade nicht exakt das tun was ich gerne würde, aber ich kann es im Hinterkopf behalten um es später zu verwirklichen.

„Die Konsequenzen von psychedelischer Forschung für XXX“ macht sich oft gut als Thema für ein Paper. Ein Titel als Frage umzuformulieren eignet sich besonders als Taktik für skeptische Professor*Innen: „Haben Psychedelika Konsequenzen für XXX?“ oder „Wie sollten wir psychedelische Wirkungen auf XXX bewerten?“. Ebenfalls kannst du darüber nachdenken, in deiner Stadtbücherei und Universitätsbibliothek anzufragen, ob weitere Bücher über Psychedelika angeschafft werden können. Das hilft nicht nur, Wissen zu verbreiten, sondern es ermutigt auch Verlage dazu, mehr Bücher aus diesem Bereich zu akzeptieren.

Und in der Zwischenzeit: Geh zu Kongressen! Es gibt bereits ein paar Präsentationen auf dem jährlichen „Society for Literature, Science, and the Arts“ Konferenzen (http://slsa.press.jhu.edu). Ebenso gibt es auf der „The Science Of Consciousness“ Konferenz immer wieder Vorträge zu psychedelischer Forschung (www.consciousness.arizona.edu). Einen stärkeren Fokus auf Psychedelika und veränderte Bewusstseinszustände legen die jährlichen „Mind States Conventions“ auf denen Forscher und underground-Psychonauten gleichermaßen ihre Erfahrungen austauschen. Die Mind States Mailing List hält euch auch auf dem Laufendem, was vergleichbare Konferenzen weltweit betrifft (www.mindstates.org).

Underground-Veröffentlichungen bieten oft brandaktuelle Entdeckungen in den Bereichen der Chemie, Botanik und Pharmakologie. „The Entheogen Review“ z.B. hat zuerst über die Extraktion von Tryptaminen aus (Rohr-)Glanzgras für Ayahuasca-Analoga geschrieben. Sie waren ebenso die ersten, die über die Psychoaktivität von Mimosa tenuiflora (=M. Hostilis) ohne MAO-Hemmer berichtet haben. Heutzutage berichten zahllose Internetseiten über Informationen aus erster Hand was die neuste synthetische und „botanische“6 Psychedelika betrifft. Die Amateurwissenschaft wächst sehr schnell in der derzeitigen Rechtssituation, weil es sich als extrem schwer darstellt offene Wissenschaft zu betreiben, so dass alle Entdeckungen im Untergrund gemacht werden müssen. Dabei sollte man dennoch im Kopf behalten dass die gründlichen Kontrollen, die in der offenen Wissenschaft unerlässlich sind in der Untergrundforschung oft nicht gegeben sind – so müssen die Ergebnisse aus diesem Blickwinkel wenigstens als fraglich betrachtet werden.

Gründe eine Psychedelische Hochschulgruppe

Ein einzelner Studierender ist einfach einzuschüchtern. Große Gruppen an Studierenden haben eine lange Tradition an Uni-Besetzungen, um auf soziale und politische Missstände hinzuweisen. Fische schwimmen nicht umsonst in Schwärmen! Eine andere Strategie ist es deshalb, eine Hochschulgruppe zu gründen. Eine Möglichkeit ist es eine Ortsgruppe einer bestehenden Organisation zu gründen (wie z.B. Marijuana Policy Project (MPP) oder Students for Sensible Drug Policy (SSDP) ). Diese sind vergleichbar mit Amnesty International, Free-Tibet oder Greenpeace Hochschulgruppen.

Ein berüchtigter Störenfried schreibt:

Ich habe eine Anzeige in der Universitätszeitung platziert. „Kommt zum ersten Treffen der „University of Chicago Education Society“. Wir haben uns an einem Ort getroffen, der den Start des Atomzeitalters symbolisieren soll, eine Henry Moore Skulptur mit dem Titel „The Nuclear Egg“. Ungefähr einhundert Personen sind erschienen. Wir haben uns unsere Geschichten erzählt, Referenten in unsere Stadt gebracht, von einer vernünftigeren Welt geträumt und daran gearbeitet eine zu etablieren.

In Harvard, wo ich arbeite, gibt es keine anerkannte Hochschulgruppe die sich für psychedelische Forschung einsetzt. Das Vorgehen um eine solche Organisation zu gründen kann online eingesehen werden: www.college.harvard.edu/student/handbook.pdf . 7 Die Vorteile einer solchen Hochschulgruppe sind zahlreich. Solche Organisationen können nicht nur leichter Räume der Universität nutzen, sie können auch Symposien und andere Events ausrichten und dabei sogar mancherorts Gelder von der Studienvertretung bekommen 8. Eine solche Gruppe, die sich auf psychedelische Forschung fokussiert, könnte sich mit anderen Hochschulgruppen vernetzen, wie z.B. den Naturwissenschaften, namentlich der Biologie, Chemie und Pharmazie; den Sozial- und Geisteswissenschaften und ebenso der Kunst und ganz generell Gruppen die sich den Persönlichkeitsrechten verschrieben haben. Es wäre möglich, dann gemeinsam Veranstaltungen und Konferenzen auf dem Campus auszurichten, externe Sprecher zu organisieren und ggf. Gelder aus öffentlichen Töpfen zu nutzen. Solche Veranstaltungen können Teilnehmer aus aller Welt anziehen. Auch wenn diese Aktionen nicht notwendigerweise zur psychedelischen Forschung beitragen, können sie doch dazu beitragen z.B. indem sich Fakultätsmitarbeiter dadurch bereit erklären diverse Studien zu betreuen. Und was wesentlich wichtiger ist, Hochschulgruppen machen auf Probleme aufmerksam, informieren über Psychedelika, tragen dazu bei das Stigma zu beseitigen und schaffen damit die Voraussetzungen für die eigentliche Forschung wenn die richtige Zeit kommt.

Die SSDP 9 und die Hochschulgruppe der ACLU 10 haben dabei geholfen das Seminar „co-evolution of plants and humans“ der „ethnopharmacology society“ zu finanzieren. Uns wurde ebenso ein Zuschuss vom „Student organization office“ gewährt – wir bekamen mehr als eintausend Dollar! – damit war es uns möglich Dennis McKenna als Referenten an unsere Universität zu holen. Es war eine großartige Veranstaltung. Dennis hat einen großartigen Vortrag über chemische Kommunikation von Pflanzen gehalten, welche möglicherweise einen Beitrag zur menschlichen Evolution geleistet haben. Danach gab es ein Panel, bei dem sowohl Botanik Professoren der University of Washington, als auch ein Altphilologe und ein Inka-Medizinmann gesprochen haben.

Sei „Volunteer“

Es gibt zahlreiche Organisationen, die gerne Personen aufnehmen, die gemeinnützige Arbeit leisten wollen. MAPS 11 braucht bspw. Hilfe bei ihrer Onlinebibliography; du könntest dort Abstracts für diverse existierende Artikel verfassen. Die Erowid Webseite 12 sucht auch von Zeit zu Zeit nach freiwilligen. Finde eine Organisation die für dich passt und frage nach ob du helfen kannst.

Schreibe Briefe

Ohne Unterstützung der Regierung wird die psychedelische Forschung so stagnieren, wie sie es bereits in den letzten vierzig Jahren getan hat. Politiker, Ämter und Organisationen müssen verstehen, dass Personen die sich für Psychedelika interessieren, nicht gedankenlos Drogenkonsum anpreisen, sondern aufrichtig nach persönlicher und wissenschaftlicher Wahrheit suchen. Schreibe Briefe an diese Personen und Ämter und teile ihnen mit, was du darüber denkst. Niemand kann dich für eine Meinung verhaften – zumindest bisher nicht.

Spende Geld für psychedelische Organisationen

Das ist bei weitem der einfachste Weg, sich an der Forschung zu beteiligen. Ohne staatliche oder private Förderung kommt Forschungsfinanzierung ausschließlich von einem Geldgeber – von Dir!

Wenn du bereits einen Abschluss hast

Dein Startpunkt sollte zunächst das „Heffter Research Institute’s Scientific Advisory Panel“ sein. Dort werden alle deine Allierten in der psychedelischen akademischen Welt aufgelistet. Die Orte wo diese Wissenschaftler arbeiten, sind mögliche Orte, an denen psychedelische Forschung unterstützt wird.

Wenn das nicht funktioniert rät Dr. Alexander Shulgin dazu, sich so stark es nur geht in seinem Masterstudium einzubringen. Arbeite in einer hoch respektierten Einrichtung mit seriösen, reputablen Wissenschaftlern und eigne dir so viele Fähigkeiten an, wie du nur kannst (du weißt nie wann diese nützlich werden können), dann verfolge die Interessen, die du wirklich verfolgen möchtest – was du vielleicht sowieso noch nicht weißt, bis du fertig mit deinem Studium bist. Lerne eine solide methodologische Basis und wissenschaftliches Arbeiten, eigne dir soviel Wissen an wie du nur kannst, verbessere deine analytischen Fähigkeiten (und behalte trotzdem das große Ganze im Blick) und dann verwende all diese Ressourcen für die psychedelische Forschung, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Je präziser und strenger deine Forschung und dessen Interpretation ist, desto härter wird es für Gegner. diese zu kritisieren, sie zurückzuweisen oder sich nicht ernst zu nehmen – und das kann den Unterschied machen. Wenn du versuchst, das Meiste aus deinem Studium herauszuholen wirst du immer all die Werkzeuge, all das Wissen und die analytischen Fähigkeiten haben, um herausragende Wissenschaft zu betreiben, egal für welches Feld du dich entscheidest. Zusätzlich ist es sehr wichtig als glaubwürdig und tüchtig zu gelten (in deinem Feld) auch um einen Plan B zu haben, wenn die politischen Verhältnisse es unmöglich werden lassen, im psychedelischen Bereich zu forschen.

Mein eigener Weg war es Mediziner zu werden und ein echter Doktor zu werden, was ich für notwendig erachtete wenn ich jemals Menschen Psychedelika verabreichen wollte (was ich nun mache). Ich glaube, das ein Doktor der Medizin als glaubwürdiger gesehen wird als ein regulärer Ph.D. oder Politiker, vor allem wenn es darum geht den Leuten zu erzählen, was gut und was schlecht für sie ist. Meine Förderanträge 13 können sehr viel gewagter sein, denn wenn sie alle abgelehnt werden muss ich nicht arbeitslos auf der Straße liegen – es ist immer eine Option Patienten zu behandeln. Ein Negativpunkt ist natürlich die Dauer der Ausbildung – was in meinem Fall (Neurologie/Psychiatrie) zehn Jahre nach der Universität waren. Ein anderer Negativpunkt sind die hohen Studienkredite die ich aufnehmen musste und die ständige Versuchung mich auf etwas zu spezialisieren, dass mir mehr Geld bringt als psychedelische Forschung (und reichlich Gelegenheiten das auch zu machen). Aber ich bereue nichts an dem Weg, den ich beschlossen habe zu verfolgen.

Wenn du allerdings den Weg des Ph.D. gehen möchtest, dann ist pure Neurowissenschaft oder Neuropharmakologie extrem hilfreich, weil es politisch gesehen sehr viel einfacher ist psychedelische Substanzen an Tieren oder Gewebeproben zu testen, als an Menschen. Und es gibt eine große Menge an Fördergeldern die indirekt für psychedelische Forschung eingesetzt werden können, wie zum Beispiel die Pharmakologie und Physiologe von Serotonin. Diese Art der Forschung erhöht die eigene Glaubwürdigkeit, welche notwendig dafür ist Fördergelder für die direkte psychedelische Forschung zu bekommen. Unglücklicherweise wird viel Forschung in diesem Bereich an Tieren verübt, womit keine Rückschlüsse auf Gedanken und Wahrnehmung des Menschen gemacht werden können – die Ebenen auf denen Psychedelika vermutlich am faszinierendsten ist. Und bedauerlicherweise gibt es sehr wenige Forscher*Innen die bereit sind, in diesen Bereichen als Mentoren/Betreuer für Studierende zu fungieren.

Experimentalpsychologie, das Studium des menschlichen Geistes, ist ebenso sehr nützlich, wobei allerdings Psychonauten-Psychologen diversen Studien gemischte Reviews geben. Heutige Experimental-Psychologische Ph.D. Programme beinhalten Berichten zufolge sehr streng begrenzte Bereiche, in denen sehr streng kontrollierte Experimente durchgeführt werden, die kaum die Bedingungen der realen Welt wiedergeben. Sie sind hauptsächlich am Außenverhalten interessiert (im Gegensatz zum Studium des Geistes) und selektieren die Daten solchermaßen, dass sie in bestehende akzeptierte Theorien gepresst werden können.

Die klinische Psychologie erlaubt dir die Fähigkeiten zu entwickeln, die notwendig sind um in einem interdisziplinären Team psychotherapeutische Wirksamkeit von Psychedelika zu erforschen. An dem Punkt an dem Psychedelika schließlich als Heilmittel gebilligt und getestet werden können, wird ein klinischer Psychologe, bzw. eine klinische Psychologin unzweifelhaft Teil des Team sein. Und als klinischer Psychologe bzw. Psychologin wirst du dazu in der Lage sein, klinische Tests zu erstellen die sensibel für die Theorie von „Set und Setting“ sind, was heutzutage in der psychedelischen Forschung weitgehend ignoriert wird.

Ein Fokus auf die Wirkungsweise von psychedelischer Psychotherapie wäre ein sehr nützlicher Abschluss und könnte dir einen Job bei MAPS einbringen. Studierende 14 der Klinischen Psychologie berichten, dass die herausragende Forschung heutzutage kognitiv-behavioristisch ist – diese Perspektive ist eher ausgewogen zwischen beobachtbaren Verhalten und Wahrnehmung. Weniger Mainstream bietet dagegen die Transpersonale Schule wie z.B. angeboten an der „California Institute of Integral Studies“, „the Institute of Transpersonal Psychology“, oder dem „Saybrook Institute“. Diese bieten eine Alternative zu dem dominanten Paradigma des „Kognitiven-Behaviorismus“. Zusammengefasst: Diese Institute sind die zentralen Punkte von psychologischer Weisheit, Wissen und den Erfahrungen der 60er Jahre, größtenteils durch den Einfluss von verschiedenen Personen wie Ralph Metzner, Stanislav Grof, Richard Tarnas, Stanley Krippner und anderen Veteranen der psychedelischen Wissenschaftscommunity.

Du solltest ebenfalls darüber nachdenken eine Ausbildung zum Psychoanalytiker zu absolvieren. Dies ist mittlerweile auch möglich für Personen, die kein medizinischer Doktor sind – denn das Unbewusste zu durchforsten ist eine wertvolle Fähigkeit für alle, die psychedelische Psychotherapie ausführen wollen! Ein Traum ist nicht so unterschiedlich zu einem Trip und die Fähigkeiten der Traumanalyse lassen sich für diesen Zweck direkt übersetzen. Aber wenn du an Forschung interessiert bist dann achte darauf,einen Ph.D statt eines Psy. D. zu bekommen.

Cognitive Science ist die ausschließliche Wissenschaft des Geistes und bedient sich dabei einer Reihe von Disziplinen, einschließlich der IT-Wissenschaften. (Die Cognitive Science wurde gestartet um den menschlichen Geist im PC-Modell abzubilden und zu simulieren.) Es gibt weit weniger solcher Studienrichtungen, verglichen mit den vorhandenen Psychologie Studienrichtungen. Cognitive Science unterscheidet sich von der Experimentalpsychologie in dem Punkt, dass sie stark auf dem theoretischen und empirischen Material anderer Disziplin beruht (z.B. ethnographischer Forschung); besonders der Philosophie, Neurowissenschaft und Linguistik. Aber auch in Soziologie, Anthropologie und den Kulturwissenschaften. Diese Erkenntnisse werden dann integrativ genutzt, um theoretische Grundlagen besser zu verstehen und zu verändern und werden eher nicht als unabhängige Daten aus anderen Disziplinen angesehen. Die Grenzen zwischen den Disziplinen verschwimmen oft, was dazu führt, dass verschiedene Ansätze kombiniert werden müssen, um die psychedelische Erfahrung und Wahrnehmung an sich verstehen zu können.

Cognitive Science, verstanden als die Wissenschaft von höherwertiger begrifflicher Struktur und Gedanken, erlaubt dir in einer großen Breite das Bewusstsein in seinen kognitiven Komponenten zu erforschen. Es zeigt wie Bewusstsein sich im Neuralgewebe beobachten lässt und schließlich wie sich Bedeutsamkeit erzeugt, organisiert, verändert und kommuniziert wird (im realen d.h. ökologischem, sozialen und kulturellen Umfeld das wir bewohnen). Viele solcher Programme setzten den Schwerpunkt auf Computermodellierung, was unglücklicherweise immer noch in den Kinderschuhen steckt. Ein Wissenschaftler aus diesem Bereich schreibt:

Gerade bin ich in einem „Cognitive Science“ Forschungsprogramm. Hier bin ich dazu in der Lage zwei Dinge zu tun: „Brain-Imaging“ (fMRI) und Elektrophysiologische Gehirnstromuntersuchung (EEG/ERP). Und gleichzeitig kann ich Texte aus der Philosophie und Linguistik im Detail studieren, um zu einem kohärenten Bild zu kommen wie unser Geist funktioniert, was Gedanken 15 sind und wie wir die Realität verstehen.

Wenn du dich schließlich dazu entscheidest welche Studienrichtung du dir aussuchst, was dein persönliches Wachstum fördert und deine Fähigkeiten verbessern soll, dann sollte deine Entscheidung darauf beruhen, mit welchen Professoren du zusammenarbeitest, welche Art von Wissenschaft in ihrem Laboren betrieben wird und wie gut deine Ideen mit denen deiner Betreuer zusammen passen. Egal welchen Weg du einschlägst: Lerne soviel du kannst und soviel du dir merken kannst, halte deine Augen und Ohren offen und bleibe offen für neue Ideen. Nimm neue Gedanken auf und baue sie in deine eigenen Theorien ein. Und schrecke niemals davor zurück, weil es vielleicht zu starr oder intuitiv falsch klingt oder weil es eventuell in der falschen Denkweise verwurzelt zu sein scheint. Entscheide dich dafür, was von dem was du denkst richtig und falsch ist, dann entscheide dich auch, warum dass Falsche falsch ist und dann entwickle eine bessere Sichtweise um das bestimmte Phänomen besser zu erklären.

Es gibt sehr viele Wege ein psychedelischer Forscher bzw. Forscherin zu werden. Gleichermaßen wie das Internet, sieht die Wissenschaft Zensur alsSystemfehler an und umschifft diesen konsequent; psychedelische Forschung hat ein großes Brachland vor sich und sprießt langsam wieder. Möglicherweise findest du dich in der Position die biochemische und neurologische Basis der psychedelischen Erfahrung zu erforschen? Möglicherweise studierst du die psychedelische Psychotherapie, Religiöse Wege zur Erklärung von Ekstase? Den Ursprung des Bewusstseins? Rechtliche Grundlagen und öffentliche Gesetzgebung? Vielleicht machst du ethnographische oder anthropologische Expeditionen? Oder du entwickelst klinische Tests? Vielleicht wirst du auch eine starke Stimme in den Medien? Aber was schließlich am meisten zählt, ist dass du auf persönlicher, professioneller und spiritueller Ebene Erfüllung und Zufriedenheit findest und zu dir selber und deinen Ideen stehst.

Dieser Artikel erschien ebenso in der Sommer Ausgabe 2006 in „The Entheogen Review“ und die Herbstausgabe des MAPS Bulletin (http://www.maps.org/news-letters/v16n2-html/index.html).

 

Der Autor und seine Mitwirkenden sind darüber eingekommen, als Ansprechpartner für aufstrebende psychedelische Forscher zu dienen.

Nicholas V. Cozzi, Ph.D., Pharmacology cozzi@wisc.edu
Robert Forte, Master of Arts, Religious Studies (AMRS) robertforte@earthlink.net
Marc Franklin, Photographer thelordnose@yahoo.com
Paul Goodwin, Neuroscience and Pharmacology
Casey Guillot, Ph.D. candidate, Clinical Psychology caseyguillot@hotmail.com
Neal M. Goldsmith, Ph.D., Social/Environmental Psychology neal@inch.com
Jon Hanna, Roustabout, Neer-do-well jonrhanna@prodigy.net
Ilsa Jerome, Ph.D., Social Psychology Ljerome@bigplanet.com
Sameet Kumar, Ph.D., Clinical Psychology skumar@aptiumoncology.com
Christopher D. Lovett, B.S. Biochemistry and Molecular Biology, M.S. Cognitive Science Ph.D. candidate, Cognitive Science cd_lovett@yahoo.com
Dan Merkur, Ph.D., Comparative Religionss Dan_merkur@yahoo.ca
Julia Onnie-Hay julia@maps.org
Erik M. Peden, Ph.D., Molecular and Cellular Pharmacology epeden@genetics.utah.edu
Thomas B. Roberts, Ph.D. troberts@niu.edu
Michael Allan Ruderman mikeruderman@gmail.com
Kevin Sachs, Ph.D., Accounting Ksachs3@nyc.rr.com
R. Andrew Sewell, M.D. asewell71@gmail.com

 

[Anm. diese Übersetzung ist in kurzer Zeit entstanden und entspricht möglicherweise nicht exakt dem Original. Ich bin kein Übersetzer, sondern Forscher, also seht mir etwaige Stilfehler nach. Wenn ihr Verbesserungsvorschläge habt, dann sendet mir gerne eine Mail.

Dieser Text wurde 2006 für die US-Amerikanische Studienwelt geschrieben, deshalb kann einiges vielleicht nicht (mehr) 1:1 auf heutigen europäische Verhältnisse angewendet werden. Seid euch dessen bewusst und habt trotzdem viel Spaß beim lesen.]

 

  1. undergratuate
  2. sic
  3. (graduate or undergraduate
  4. Je nach Studienordnung vielleicht auch für ECTS Anm. des Übersetzers
  5. Anm. leider mittlerweile Offline
  6. botanical preparations
  7. leider offline
  8. im Original: student government
  9. Students for Sensible Drug Policy
  10. American Civil Liberties Union
  11. http://www.maps.org/participate
  12. https://www.erowid.org/general/about/about_volunteers.shtml
  13. grant proposals
  14. graduate students
  15. thought